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Kinder in anderen Ländern PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Redaktion Kinderrat   

senegal.jpgEin Interview über ein Patenkind in Kamerun

Der Kinderrat interviewte Katharina Vetter vom Kinderbibelsonntag (KIBISO) in Dietlingen über das Patenkind Nestol.

Kinderrat:      Wie seid ihr auf die Idee gekommen, ein Patenkind zu haben?

Katharina Vetter: Beim Kinderbibelsonntag treffen sich Mädchen und Jungen im Alter von 6 bis 12 Jahren ca. sechsmal im Jahr sonntags von 9:30 bis 11:00 Uhr im Oberlinhaus in Dietlingen. Schon lange hatten wir das Gefühl, dass wir die Geschichten aus der Bibel nicht nur hören und sehen wollten, sondern selbst im Rahmen unserer Möglichkeiten Verantwortung übernehmen können. Eine Mitarbeiterin berichtete begeistert von ihrer Patenschaft über die Organisation „Plan – international“, bei der sie nicht nur eher anonym für ein Kind in einem ärmeren Land spendet, sondern einen direkten persönlichen Kontakt zu „ihrem“ Patenkind aufbauen konnte. Das fanden wir toll und wollten es für uns und die KIBISO-Kinder auch.

 

Kinderrat:      Wo und wie lebt euer Patenkind?

Katharina Vetter:  Mit unserer Patenschaft unterstützen wir den sechsjährigen Nestol und sein ganzes Dorf in der armen Nordwestprovinz Kameruns. Unsere Spenden helfen, die Voraussetzungen für sauberes Trinkwasser, Schulbildung und medizinische Versorgung zu schaffen. Nestol lebt zusammen mit seinen Eltern und seiner Schwester in einer großen Familie mit vielen Verwandten in einem Haus aus ungebrannten Lehmziegeln. Das Haus besteht aus zwei bis drei Räumen und ist mit Wellblech gedeckt. Der Boden ist aus Erde gestampft und die Wände sind mit Lehm verputzt. Eine eigene Toilette gibt es nicht. Die Wohnungseinrichtung beschränkt sich auf Stühle und Bänke aus Bambus, einen Tisch und Betten aus demselben Material mit Matratzen aus Stroh. Zu den Küchenutensilien gehören neben Wasserkanistern und ein paar Aluminiumtöpfen auch selbst gefertigte Schalen und Behälter aus Kalebassen-Kürbis. Gekocht wird an einem steinernen Feuerplatz vor dem Haus. In der Regenzeit kann die Familie aus dem Gemeindebrunnen Wasser holen. In der Trockenzeit müssen die Frauen und Mädchen zwei Kilometer weit zum nächsten Bach laufen, um Wasser zu finden. Nestols Eltern sind Landwirte. Seine Mutter bewirtschaftet die weiter entfernten Felder, auf der sie Bohnen, Mais, Kartoffeln und Gemüse für die Versorgung der Familie anbaut. Nestols Vater baut auf den näher am Haus gelegenen Feldern Kaffee, Kolanüsse und Raffiapalmen an, deren Ertrag er auf dem Markt verkaufen kann. Weil es in Nestols Dorf keinen elektrischen Strom gibt, gehen die Frauen und Kinder bei Sonnenuntergang zwischen 20:00 und 21:00 Uhr ins Bett.

Nestol geht seit einem Jahr in die Vorschule, die ca. eine halbe Stunde entfernt ist - zu Fuß natürlich. Die nächste Krankenstation ist zwei Stunden entfernt. Als Nestol an schlimmem Fieber erkrankt war, musste er dort behandelt werden. Inzwischen ist er aber wieder gesund.

 

Kinderrat: Wir wissen, dass es den Kindern in anderen Ländern nicht so gut geht. Was kann man tun, um ihre Situation zu verbessern?

Katharina Vetter:  Wir spenden monatlich 25,- € an „Plan". Dieses Geld kommt Nestols ganzer Gemeinde zugute. Ein Teil des Geldes wird in die bessere Ausstattung der Schule investiert und auch die Lehrer können sich weiterbilden. Ein anderer Teil dient dazu, die gesundheitliche Situation zu verbessern: z.B. Impfungen werden davon bezahlt. Und die Trinkwasser- und Abwasserversorgung soll verbessert werden. „Plan" achtet darauf, dass als Patenkinder Kinder aus besonders armen Familien oder anderweitig benachteiligte Kinder ausgewählt werden. So steigt ihre Achtung in den Augen der anderen Dorfbewohner und sie sind auf einmal wertvoll für ihr Dorf.

 

Kinderrat: Warum geht es den Kindern eigentlich so schlecht?

Katharina Vetter:     Kinder sind neben alten und kranken Menschen die schwächsten Glieder der Gesellschaft. Wenn die meisten Menschen arm sind in einem Land, dann sind die Kinder oft noch ärmer. Sie haben zwar nach internationalem Gesetz Rechte, doch wenn sie sie nicht kennen und zu schwach sind, um sie durchzusetzen, werden sie ihnen nicht ohne weiteres gewährt. Mädchen werden oft noch schlechter behandelt als Jungen. Manchmal geben Familien ihre Kinder auch gegen Geld weg, damit sie von anderen Familien als billige Arbeitskräfte benutzt werden können. Und weil nicht jedes Kind eine Geburtsurkunde besitzt, fällt das auch gar nicht auf. Neben der finanziellen und materiellen Unterstützung führt „Plan" deswegen auch Aktionen für Kinder durch bei denen sie neben Spaß und Spiel auch über ihre Rechte aufgeklärt werden und Unterstützung bei ihrer Durchsetzung erhalten.

 

Kinderrat:      Besucht Ihr Euer Patenkind oder kommt es 'mal zu Euch?

Katharina Vetter:     Das wäre natürlich toll! Aber so einfach ist das gar nicht: Da ist erst einmal die beschwerliche Reise in eine unwegsame Gegend... und wo sollten wir denn wohnen während unseres Aufenthaltes? Und hier bei uns wäre für den kleinen Nestol einiges doch auch sehr fremd...

Aber wir haben Nestol schon viele Briefe geschrieben und Fotos geschickt. Und wir haben schon Antworten bekommen. Auch Fotos waren dabei. So ein Brief ist acht bis zwölf Wochen unterwegs bevor Nestol ihn bekommt. Deshalb haben wir ihm schon Ende September unseren Weihnachtsbrief geschickt. Wir hoffen, dass er sich über den Lederball freut, den wir ihm und seinen Freunden schenken.

 

Kinderrat:      Wer unterstützt Euch bei Eurem Projekt?

Katharina Vetter:     Der größte Dank gebührt natürlich den Kindern vom KIBISO, die so regelmäßig kommen, für Nestol Briefe schreiben, Bilder malen und basteln und ihren Familien, die uns mit ihrem Opfergeld unterstützen. Einmal haben Kinder in ihren Schulklassen von Nestol berichtet und Kuchen für ihn verkauft. Manchmal haben auch Erwachsene für unser Patenkind gespendet, z.B. bei einer Taufe oder einer Beerdigung. Schon zweimal haben wir ein KIBISO-Fest veranstaltet. Der Erlös für's Essen ging an unser Projekt. Inzwischen steht auch in der Bücherstube ein Kässchen, in das jeder kleine Spenden einwerfen kann. Und wenn das viele machen, kommt eine wirkliche Unterstützung zusammen. Ich finde es klasse, dass die KIBISO-Kinder in Dietlingen etwas angefangen haben, was jetzt schon ganz schön viele Leute interessiert.

 

Kinderrat: Vielen Dank, dass wir Dich interviewen durften.

Katharina Vetter:     Gern geschehen.

 

Auch bei der NaturFreundeJugend gibt es einen Austausch mit Kindern und Jugendlichen aus dem Senegal. Mehr dazu erfahrt Ihr in der nächsten KiRaZ.





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